Menschen, die an Krebs erkranken und sich einer Chemotherapie unterziehen müssen, verlieren oftmals ihre Haare. Sie können dann mit einem Tuch oder einer Perücke den kahlen Kopf bedecken. Zweithaarspezialisten passen ihnen letztere an – wie Heike Kohlos in ihrem Friseursalon in Tegel.
Ihr Geschäft „Hair Rein“ hat im hinteren Bereich ein Séparée. So nennt die 40-Jährige den Raum, in den sie ihre besonderen Kunden hineinbittet. Hier herrscht eine andere Stimmung als vorn im Salon; es ist privater, ruhiger. Kunden, die hier Platz nehmen, kommen, weil sie ihr Haar verloren haben oder unter starkem Haarausfall leiden. Meist sind es Frauen, die damit schwer umgehen können – sind Haare doch für sie mehr als ein Kopfschmuck. Es macht sie aus, macht sie schön, bedeutet Normalität. Sie haben ihre Haare durch eine Chemotherapie, Operation, Stoffwechselerkrankung oder ohne nachvollziehbaren Grund verloren. Heike Kohlos gibt ihnen wie viele andere Zweithaarspezialistin mit Perücken, Haarteilen oder Extensions ihr Selbstwertgefühl und somit ihre Lebensqualität zurück. Ihre Ware ist in verschiedenen Farben und Längen aus echtem Haar geknüpft oder aus künstlichem. Je nachdem, wie sich die Kunden nach der Beratung entscheiden.
Echthaarperücken werden aus echten Haaren angefertigt und die kommen als geflochtener Zopf bei den Perückenherstellern an. Sie wurden gespendet von Menschen, die mit ihrem abgeschnittenen, langem Haar Menschen helfen möchten. Die Haare müssen mindestens 30 Zentimeter lang, nicht chemisch behandelt oder gefärbt sein. Bei Heike Kohlos und in wenigen anderen Berliner Friseursalons können Spender das fachgerecht erledigen lassen. Das Haar wird zu einem Zopf geflochten, abgeschnitten und beispielsweise zum „Bundesverband der Zweithaarspezialisten (BVZ) Rapunzel“ geschickt. Dort werden die Zöpfe einmal im Jahr an Perückenhersteller versteigert und der Erlös an Organisationen gespendet, die sich dem Wohl erkrankter Menschen verschrieben haben, wie die DKMS, die Deutsche Kinderkrebshilfe und die Ronald McDonald Kinderhilfe Stiftung. Einige Salons arbeiten auch als Partner für die Plattform haare-spenden.de, hinter der eine Perückenmanufaktur in Nordrhein-Westfalen steht, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Kindern und Jugendlichen mit Haarausfall Perücken ohne Zuzahlung bereitzustellen. Denn gute Echthaarperücken liegen preislich bei 1.500 bis 3.000 Euro, die Krankenkassen zahlen nur einen geringen Anteil. Weitere Organisationen, an die man auch als Privatperson gespendetes Haar schicken kann, sind „Hair for Hope“ und „HaarspendeHelden“. Übrigens: Auch „alte“ Zöpfe sind noch verwendbar – bis 70 Jahre nach dem Schnitt.
von Heidrun Berger
Salons in Berlin, in denen Haare gespendet werden können:
Atelier-t – Schönhauser Allee 26a, 10435 Berlin
Friseur Jens Link – Giesebrechtstraße 2, 10629 Berlin
IM RAUSCH – Neumannstraße 1, 13189 Berlin
maske berlin – Ansbacher Straße 71, 10777 Berlin
Style and Beauty – Augsburger Straße 33, 10789 Berlin
