Refurbished-E-Bikes

Foto: Bernd Karkossa

2025 rollten laut der im März dieses Jahres veröffentlichten Statistik des Zweirad-Industrie-Verbandes (ZIV) insgesamt 90,6 Millionen Fahrräder und E-Bikes über Deutschlands Straßen. Was nichts anderes heißt, als dass es hierzulande mehr Fahrräder als Menschen (und auch Autos) gibt. 2025 wurden 3,8 Mio. Räder verkauft, zwei Millionen davon waren E-Bikes – oder Pedelecs, wie die Gefährte eigentlich heißen. Inzwischen sind über 17 Millionen dieser Bikes in Deutschland unterwegs.

Da war es nur eine Frage der Zeit, bis sich ein eigener Markt für gebrauchte Pedelecs entwickelt. Und weil man wie beim Kauf eines Gebrauchtrades nicht über den Tisch gezogen werden möchte, gibt es inzwischen einige Adressen, bei denen sich der Kunde sicher sein kann, nicht die berühmte Katze im Sack zu kaufen. Pionier in Deutschland im professionellen Aufbereiten („Refurbishing“) und dem Online-Verkauf gebrauchter Pedelecs mit Garantie war das 2018 in München gegründete Unternehmen Rebike. 2021 entstand in Köln das Start-Up Velio, im gleichen Jahr kamen die ehemaligen Uber-Manager Toussaint Wattinne und Stéphane Ficaja in Paris auf eine ähnliche Idee und gründeten Upway, dass ein Jahr später, im Juni 2022, sein erstes Center in Deutschland – am südlichen Rand von Berlin eröffnete. Mittlerweile hat das Startup zwei weitere Center in Deutschland und ist auch international präsent. Was das Angebot an verschiedenen Marken und die reinen Stückzahlen angeht, ist der Anbieter hierzulande inzwischen klar die Nummer eins.

Gründer Toussaint Wattinne und Stéphane Ficaja – Foto: Upway

Beim Betreten der 4.000 Quadratmetern großen Halle in der Alexander-Meißner-Straße kommt man ob der Unmengen an Pedelecs ins Staunen. „Im März ging es richtig los, jetzt ist Hochsaison. Allein heute kommen mehr als 300 Räder rein. Im Schnitt durchlaufen etwa 3.000 E-Bikes pro Monat den Aufbereitungsprozess in Berlin“, sagt Nicola Cerfontaine. Sie leitet die Wiederaufbereitung und lädt zu einer kleinen Führung. „Der Workflow verläuft U-förmig“, erklärt die 36-Jährige. Am letzten Tor „spucken“ Lkw‘s E-Bikes aus. Die stammen entweder aus dem Direktankauf von Privatpersonen per Webportal, aber ebenso sind Ausstellungsstücke und Rückläufer von Händlern darunter nicht mehr gebrauchte Leasingbikes etwa vom Unternehmen Jobrad. Oder Räder, die am Ende der Saison übrigbleiben und von denen sich Händler und Hersteller trennen. Die angelieferten Bikes werden einer Eingangskontrolle unterzogen, dann geht es weiter in die Werkstatt, wo Zweirad-Mechaniker die Räder auf Vordermann bringen. Bremsen und Reifen werden überprüft und bei Bedarf ausgetauscht. Bei Bremsen, Ketten und Ritzeln kommen etwa ab einem Drittel Verschleiß neue Teile ans Rad, bei den Reifen sogar früher, und sowieso, wenn der Mantel spröde wirkt. Griffe und Pedale seien auch oft fällig. „Rund ein Drittel unserer E-Bikes statten wir im Rahmen der Aufbereitung mit komplett neuen Reifen aus. Die restlichen zwei Drittel bringen bereits Reifen in einem neuwertigen Zustand mit“, sagt Cerfontaine.

Nicola Cerfontaine leitet die Wiederaufbereitung. Foto: Bernd Karkossa

20 Punkte umfasst die To-Do-Liste für die Mechaniker, die wohl wichtigsten sind das Erfassen der technischen Daten inklusive des Auslesens der Historie des Antriebs bis zum essenziellen Akku-Check. Was nämlich den potenziellen Käufer am ehesten davon abhält, sich ein gebrauchtes E-Bike zuzulegen, ist die Skepsis, was den Zustand von Akku und Motor angeht. Die Daten werden mit Spezialgerät ausgelesen, die Anzahl der Ladezyklen des Akkus erkannt – und genannt, wenn das Bike schließlich online zum Verkauf steht.

Nach der Werkstatt ist vor der Beautykur. Für die aufgefrischten Bikes geht es nach einer Intensivwäsche in ein kleines halbautomatisches Foto-Studio, in dem die Räder aus verschiedenen Perspektiven für ihren Online-Auftritt in Szene gesetzt werden. Gegenüber dem Eintreffen in der Halle sind sie nun kaum noch wiederzuerkennen – sie sehen aus wie neu und werden nach einer gründlichen Endkontrolle fachmännisch für den Versand verpackt. Aber sie kosten um einiges weniger. Liegt ein Pedelec neu bei 3.500 Euro, gibt es die refurbishten Bikes für rund 2.000 Euro. Kann etwas höher liegen oder auch darunter, je nach Laufleistung. Professionell aufbereitete, hochwertige Gebrauchträder haben inzwischen einen nennenswerten Anteil am Gesamtmarkt. Seit 2023 hat sich die Zahl der jährlich verkauften Refurbished-E-Bikes um rund 192 Prozent erhöht – und die Tendenz ist weiter steigend. Angesichts der steigenden Preise in nahezu allen Bereichen könnte der Erwerb eines gebrauchten Pedelecs also durchaus Sinn machen. Eine einjährige Garantie auf Motor, Akku, Elektronik und Rahmen gibt es auch. Sollte in dieser Zeit etwas kaputtgehen, holt Upway das Rad unentgeltlich ab und bringt es zur Reparatur entweder in eine der 500 Partnerwerkstätten oder in eines der Up-Center. Dann kommt es abermals in den nachhaltigen Kreislauf zurück. Coole Sache auf dem heißen E-Bike-Markt.

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