Wardrobe Affaire

Foto: Flechtner

Seit acht Jahren hat Ivana Perbi kein einziges Kleidungsstück mehr neu gekauft … und das, obwohl sie von Kopf bis Fuß ein Modemensch ist. Das merkt man sofort: an ihrem Style, aber auch mit Blick auf ihre Lebens- und Berufsgeschichte.

Sie arbeitete schon mit diversen Institutionen, Ketten und Marken der Branche, modelte für verschiedene Labels, war Dekorateurin für Louis Vuitton und Chanel. Außerdem kümmert sie sich für Unternehmen um die Umsetzung von Nachhaltigkeitsideen. Letztere sind der 29-Jährigen ein echtes Herzensanliegen; sie begreift sich als Botschafterin für Vintage- und „Pre-Loved“-Fashion. Zuletzt hat sie mit dem Relaunch ihrer eigenen Marke „Wardrobe Affaire“ einen Online-Coup gestartet.

Foto: Gina Vadana

Was hat es mit diesem Begriff – „Kleiderschrank-Affäre“ – auf sich?
Spätestens seitdem ich in Berlin lebe, ist mir etwas immer stärker aufgefallen: So viele tolle Looks von roten Teppichen, aber auch Shows oder Fotoshootings werden nur ein einziges Mal getragen. Danach verschwinden sie in irgendwelchen Ablagen. So schade! Deshalb habe ich nach einer Lösung gesucht, diese Teile für andere zugänglich zu machen.

… Für Menschen, die sozusagen eine Beziehung mit fremden Schränken eingehen möchten. Alles klar. Aber wie funktioniert das?
Beim ersten Start von „Wardrobe Affaire“ vor einigen Jahren ging es mir darum, Designer-Mode mietbar zu machen: zum Beispiel über einen Pop-up Store mit H&M bei der Berliner Fashion Week 2023 oder eine „Rental Lounge“ im Fünf-Sterne-Hotel SO/ Berlin Das Stue anlässlich der Berlinale. Nach drei Jahren aber habe ich festgestellt, dass das Projekt noch nicht das ist, was es sein könnte. Ich habe es pausiert, nachgedacht … und es mit veränderter Ausrichtung neu aufgelegt. Unter www.wardrobeaffaire.com findet man jetzt einen Terminkalender mit spannenden Möglichkeiten, weltweit Shopping-Events für Pre-Loved-Markenmode zu entdecken.

Das klingt ja glatt nach einer Art Schatzkarte?
Genau. Meine Idee ist, mithilfe eines Netzwerks lokaler Expertinnen eine globale Datenbank aufzubauen. Hier gibt es – vom Wohnzimmerverkauf bei Stylistinnen über spannende Fashion-Flohmärkte bis hin zu Kostümfundus-Verkäufen – auf einen Blick Tipps, an die man sonst nur mühsam herankäme. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man wirkliche Schätze von Gucci bis Prada aufspüren kann.

Viele wünschen sich aktuelle Mode. Sind die Schnäppchen das noch?
Gerade bei Stylist*innen ist es so, dass Shootings für die großen Magazine ja mit erheblichem Vorlauf stattfinden – auf Basis dessen, was an Trends erst noch kommt. Der Verkaufstermin passt häufig dann ganz gut zum Erscheinen … und man ist genau up to date.

Ende April fand der Launch der neuen „Wardrobe Affaire“ im Soho House statt. Wie geht es jetzt weiter?
Ich möchte mein Netzwerk ausbauen, um noch mehr Veranstaltungen präsentieren zu können, vielleicht ein Tool entwickeln, das Suchprozesse im Web automatisiert. Außerdem habe ich vor, Fördergelder für mein Projekt zu akquirieren. Schließlich geht es bei alldem um einen nachhaltigeren Umgang mit Kleidung und Accessoires. Das hat übrigens auch persönliche Gründe. Ich bin zwar in Karlsruhe aufgewachsen, aber meine Wurzeln reichen nach Ghana, wo der sogenannte „Waste Colonialism“ – eben auch unvorstellbare Mengen an Textilmüll — erhebliche Auswirkungen auf Mensch und Umwelt hat. Hier möchte ich gegensteuern und für mehr Bewusstsein werben.

www.ivanaperbi.com
www.wardrobeaffaire.com

Secured By miniOrange