Für Integration und Toleranz

Foto: Eventpress

Hauptstadtpreis der Initiative Hauptstadt Berlin

Mitte November vergab die Initiative Hauptstadt Berlin e. V. (IHB) zum 10. Mal ihren Hauptstadtpreis. Schirmherr ist Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière. Mit 50.000 Euro gehört der Preis zu den höchstdotierten Auszeichnungen im Bereich Integration und Toleranz. 15.000 Euro gingen 2017 an den ersten Preisträger, die offene Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung „Jona‘s Haus”, für seine Integrationsarbeit. Wir trafen Christoph Wegener, den Vorstandsvorsitzenden der Initiative Hauptstadt Berlin, zum Interview in seinem Büro am Hausvogteiplatz.

Herr Wegener, warum kümmern Sie sich ehrenamtlich um Integration und Toleranz?

Das Anliegen unseres Preises ist wichtiger denn je, weil Integration, wenn sie gelingen soll, aktuell eine der zentralen Aufgaben ist. Und sie geschieht nicht außerhalb, sondern mitten in unserer Gesellschaft. Neben der spannenden und unterhaltsamen Preisverleihung mit viel Emotionalität konnten wir an dem Abend gut vor Augen führen, was für tolle Integrationsprojekte es in dieser Stadt gibt.

Vorstandsvorsitzender der Initiative Hauptstadt Berlin Christoph Wegener

Sie haben diese Projekte gewürdigt und finanziell unterstützt. Diesmal gab es dafür mehr Geld als in den Vorjahren …

Ja, wir konnten die Summe dank großzügiger Spenden auf 50.000 Euro verdoppeln. Das ist kein Vereinsgeld, sondern wurde uns gezielt für die Preisgelder zur Verfügung gestellt.

Der erste Preis ging an „Jona‘s Haus” der Stiftung Jona. Was ist das?

„Jona‘s Haus“ ist ein Projekt von Bürgern für Kinder, was für mich immer Beweggrund für diesen Hauptstadtpreis war. Dieses offene, privat finanzierte Haus in Spandau versucht, Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien eine Zukunft zu geben. Darüber hinaus werden hier alleinreisende Flüchtlingskinder aufgenommen.

Wer wurde noch prämiert?

Den zweiten Preis mit 10.000 Euro bekam die Deutsche Filmakademie mit ihrer Präsidentin Iris Berben. Im Rahmen ihres Projekts „Mix it!“ drehen Jugendliche mit und ohne Fluchthintergrund gemeinsam Kurzfilme. Weitere 5.000 Euro erhielt das Projekt „Zentrum Überleben!“, das sich um die Rehabilitierung von traumatisierten Flüchtlingen kümmert.

Außerdem gab es noch Einzelpreise in Höhe von jeweils 3.000 Euro für fünf weitere Projekte.

Ja, und als Sonderpreisträger hatte die Jury aus Anlass unseres Jubiläums die Soulsängerin Jocelyn B. Smith mit ihrem Projekt „Shine A Light“ und die Frauenrechtlerin Seyran Ateş mit ihrer liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Moabit ausgewählt.

Der Hauptstadtpreis ist Ihre größte Veranstaltung …

Ja, er wuchs allmählich. Anfangs fanden die Preisverleihungen im Hyatt-Hotel statt, seit sechs Jahren nun im Atrium der Deutschen Bank, wo sie deutlich größer geworden sind.

Sie treffen sich zu Hauptstadtforen, Frühstücks- und Dinner-Terminen. Warum diese Formate und was passiert da genau?

Eine Podiumsveranstaltung findet natürlich auch bei uns abends statt. Aber eine prominente Person des öffentlichen Interesses mal morgens um acht für eine Stunde zum Frühstück zu treffen, um über Berliner Themen oder unternehmensbezogene Themen zu diskutieren, das ist spannend. Da kommen immer 30 bis 40 Gäste.

Mit wem kann man da diskutieren?

Bundesminister und Vertreter der Landespolitik waren bei uns zu Gast, aber auch historische Persönlichkeiten wie Tino Schwierzina, der als letzter Ostberliner Bürgermeister im Roten Rathaus residierte, oder Richard Schröder sowie Menschen aus dem kulturellen, sozialen, kirchlichen und Medienbereich.

Wer zum Beispiel?

Wir hatten viele Veranstaltungen mit dem früheren Kultursenator Christoph Stölzl, Wolfgang Schäuble, Joachim Gauck und Mathias Döpfner vom Springer- Verlag waren da. Und beim vierten Hauptstadtpreis war Bundeskanzlerin Merkel zu Gast. Wilhelm von Boddin mit seiner unfassbaren Begeisterung für das Projekt Stadtschloss hatten wir mehrmals auf dem Podium, und vor Wahlen zu Bundestag und Abgeordnetenhaus gab es immer wichtige Akteure der jeweiligen politischen Ebene zur direkten Diskussion auf unserer Bühne.

Wie kamen Sie dazu, sich in der Initiative Hauptstadt Berlin zu engagieren?

Ich bin seit Ende der Neunziger Jahre dabei. Die Initiative wurde 1990 gegründet und hatte ihren Vereinszweck schnell erreicht, als der Bundestag 1991 den Hauptstadt-Beschluss fällte. Danach wurde weiter gemacht mit Lobbyarbeit für Berlin. Die Initiative hat sich inzwischen zu einem gesellschaftsund wirtschaftspolitischen Verein für Neu- und Alt-Berliner entwickelt. Hier kann man mit Entscheidungsträgern diskutieren und untereinander netzwerken.

Wie kann man sich die Mitgliederstruktur vorstellen?

Ganz bunt. Es geht von ganz bürgerlichen Mitgliedern, die erfolgreiche Angestellte sind, über Unternehmen bis hin zu politisch Aktiven. Wir sind ein bunter Mix, so wie Berlin! Von den 1.500 bis 1.700 Leuten in unserem Verteiler fühlen sich je nach Thema unterschiedliche Menschen angesprochen, sodass wir immer andere Gäste und Teilnehmer haben. Wir sind völlig offen, was bedeutet, dass jeder zu uns kommen kann und die wenigsten Termine auf die Mitglieder beschränkt sind.

Wie wichtig ist Ihnen die deutsche Einheit, und wie spiegelt sich das in der Initiative wider?

Sie war und ist immer Thema, vor allem bei der ökonomischen, aber auch bei der menschlichen Entwicklung. Wir waren da immer Vorreiter, viele unserer Gründungsmitglieder kamen aus dem Ostteil unserer Stadt. Wir haben Mitglieder aus beiden Stadthälften zusammengebracht. Anders als in peripheren Bereichen Ostdeutschlands ist die Bedeutung dieses Themas in den letzten zehn Jahren in Berlin allerdings deutlich zurückgegangen. Was die Wirtschaft angeht, ist noch viel Luft nach oben, aber die Stadt ist auf einem großartigen Weg.

Nach dem Preis ist vor dem Preis. Wie geht’s weiter mit dem Hauptstadtpreis?

Integration braucht maßgeblich Sprache und Arbeit. Sprachkenntnisse kann man fördern, es hapert dann aber oft daran, die Menschen in Arbeit zu bringen. Unsere inhaltliche Ausrichtung bleibt. Es wäre bedauerlich, wenn wir an dieser Stelle nicht weitermachen würden. Es gibt Ideen, den Preis über Berlin hinaus auszudehnen. Vor zwei Jahren hatten wir schon mal einen bundesweit agierenden Preisträger ausgezeichnet, den Verein Deutscher Soldat e. V.

Was macht der?

Das ist ein Netzwerk von Soldaten der Bundeswehr mit Migrationshintergrund, das seit 2011 aktiv ist.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Zur Person: Christoph Wegener wurde in Lübeck geboren, ist verheiratet mit einer Berlinerin und hat zwei Kinder. 1991 kam er nach Berlin und integrierte sich „sehr schnell und gern in die Stadt“. Auf Bundeswehr und kaufmännische Lehre folgte das Studium der Wirtschaftswissenschaften an der FU Berlin. Nach einem Trainee-Programm bei der Allianz Versicherungs- AG ging er in den Vertrieb und ist heute selbstständig als Geschäftsführer einer Versicherungsagentur, die sich vor allem um Industrie- und Firmenversicherungen kümmert.

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