Paddeln gegen Brustkrebs

Fotos: Bernd Karkossa

Große Reden schwingen ist ihr Ding nicht. In diesem Metier hat Bettina Kütter einfach nicht die große Übung. „Ich bin auch ein bisschen nervös“, sagte die Referentin für Gesundheitssport beim Landeskanuverband (LKV) Berlin anlässlich der Saisoneröffnung der „Pink Paddler Berlin“ Anfang März auf dem Gelände des LKV am Eisenhammerweg in Berlin-Tegel. 

Der Ehrengast der kleinen Veranstaltung ließ ein wenig auf sich warten, Birgit Fischer stand im Stau. Aber dann kam sie doch und stieg mit ins Drachenboot zu den 17 weiteren Frauen (plus Steuerfrau). Für die achtfache Goldmedaillengewinnerin bei Olympischen Spielen und 27-malige Weltmeisterin im Kanurennsport war das eine Herzensangelegenheit. Die inzwischen 61-jährige Potsdamerin ist eine von vielen prominenten Botschafterinnen der Pink Ribbon Gesellschaft, die es sich zum Ziel gesetzt hat, mit Brustkrebs-Sensibilisierungskampagnen auf die Wichtigkeit der Früherkennung aufmerksam zu machen. Und Paddeln kann helfen, mit den Nachwirkungen der Brustkrebstherapien fertig zu werden. „Paddeln gegen Brustkrebs“ – so lautet das Motto bei den Pink Paddlern. Die Berliner Gruppe, die immer montags um 18 Uhr trainiert, wurde von Bettina Kütter im Mai 2022 gegründet. Entstanden ist die Bewegung der Pink Paddler vor 27 Jahren in Kanada. Dort setzte Dr. Don McKenzie 1996 zum ersten Mal Brustkrebspatientinnen in ein Drachenboot. Bis dahin wurde von starken und gleichförmigen Bewegungen des Oberkörpers abgeraten, man befürchtete verstärkte Stauungen der Lymphe, eine häufige Nebenwirkung von Brustoperationen. Doch der Sportmediziner konnte nachweisen, dass die Bewegung im Gegenteil eher positive Auswirkungen hatte, für den Lymphfluss, viel mehr aber noch für die Psyche seiner Patientinnen – diese Erfahrungen veröffentlichte er im Canadian Medical Association Journal und startete damit eine weltumspannende Bewegung.

Pink Paddler: Birgit Fischer, Jörg Heibeck (2. Vorsitzender LKV Berlin) und Bettina Kütter (v. l. n. r.)

Die rosa Farbe der Brustkrebs-Schleife wurde zum Symbol der Pink-Paddler-Gruppen, die sich zunächst in Kanada, den USA, Australien und Neuseeland bildeten. In Deutschland stiegen 2009/2010 in Schierstein und Bochum die ersten Brustkrebspatientinnen ins Drachenboot. Seitdem wächst die Anzahl kontinuierlich, inzwischen gibt es „Pinkies“ in über 20 deutschen Standorten. Der Deutsche Kanuverband (DKV) nahm sich dieser Bewegung an. Die Liste der Vereine und Veranstaltungen wird jedes Jahr länger, national und international starten Pink Paddler aus Deutschland bei Regatten, aber auch bei Wanderfahrten, manchmal in eigenen Pink Klassen, oft auch in der regulären Damenkonkurrenz. Dass die Gemeinschaft im Boot stark macht, haben alle Frauen erfahren. Moderate Bewegung an der frischen Luft, gemeinsam mit Menschen, die ähnliches durchgemacht haben, für viele ist das eine wichtige Auszeit vom Alltag. „Wir sitzen alle in einem Boot“, diese Lebensweisheit bekommt für Pink Paddler eine ganz neue Bedeutung. 

www.pinkpaddler-berlin.de

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