Vorstell-Bar: Kunst und Cocktails in der Kapelle

Die Kapelle war eine Institution gegenüber der Zionskirche, wo Prenzlauer Berg an Mitte grenzt. Dort konnte man viel Zeit verbringen, mit Milchkaffee in der Schale zum Frühstück bis hin zum gezapften Feierabendbier. Das ist lange her. Im Mai 2023 nun wurden die Räumlichkeiten von Katya Malysh und Thomas Huber wieder zu neuem Leben erweckt. Während unseres Interviews am frühen Abend probt der Jazzmusiker Andrej Ugoljew mit seiner Band für den Auftritt.

Auch Zora & La Bandissima hatten vor kurzem eine atmosphärische Jazz Vocal Session kreiert und werden im Januar 2024 erneut spielen. Zum Gespräch unter einer hölzernen Vogelmaske gibt es Bier. Eine klassische Cocktailbar mit Kulturprogramm, die lebendig und sophisticated (elegant) ist und „in der immer etwas passiert“, so beschreiben Thomas und Katya ihr Lokal. An den Wänden hängen Werke von Künstlern wie Anselm Reyle, Arne Schreiber, Julian Bienek, Mikael Gregrsky und Manuel Rossner. Im „Hungerturm“ auf dem Tresen liegt statt Würsten, Gurken und Eiern ein eingewickelter Kopf. Das ist ein Kunstwerk von Emma Roudine und Daniel Nedelya. Als Fahrradkurier kam der Musiker Andrej Ugoljew erstmals herein, fand die Räume gut und fragte, ob er hier spielen könne, berichtet Katya. Sie stammt aus Dnipropetrowsk in der östlichen Ukraine, hat Kommunikationsmanagement studiert und macht philosophische experimentelle Filme. Thomas kommt aus Oberösterreich und ist bildender Künstler. Beide leben seit 2017 in Berlin. Die Kapelle ist ihr erstes gemeinsames gastronomisches Projekt. Dass Kunst und Kultur dabei eine ganz wichtige Rolle spielen, bemerkt man als Gast sofort. Eine große Vitrine wird als „Galerie in der Bar“ genutzt.

Fotos: © Katya Malysh & Thomas Huber

Die beliebtesten Cocktails?
Besonders gut gehen der Negroni aus Gin, Campari, Wermut und Orangenschale sowie der New York Sour, bestehend aus Bourbon, Limonensaft, Sirup, Angostura und Rotwein. Negroni gibt es auch als Sbagliato-Variante mit Prosecco anstelle von Gin, und als Smoked-Variante mit Mescal. Klassiker wie Whiskey Sour, Basil Smash, Dirty Martini und Bloody Mary werden häufig bestellt. Beliebt sind außerdem Longdrinks wie Gin Tonic sowie Aperol, Campari und Hugo Spritz (alle 9 Euro).

Das günstigste und das teuerste Getränk?
Espresso kostet 2 Euro, und die Cocktails gibt es zum Einheitspreis von 13 Euro. Eine Flasche Rémy Leroy Brut Natur Champagner ist für 90 Euro zu haben.

Besonderheiten bei den Getränken?
Ihre Weinauswahl bezeichnen Thomas und Katya wie die Kunstwerke in der Kapelle als „kuratiert“. Beim Rotwein überwiegen französische Weine. Darunter befindet sich z. B. der Château du Cèdre / Cahors Hèritage, ein Malbec aus Cahors. Bei den Weißweinen heben die Inhaber den Feudo Montoni, einen sizilianischen „Grillo Timpa“ Biowein besonders hervor. Auf der Karte ins Auge fällt neben zwei Rosé-Weinen unter der Rubrik „Orange“ ein Welschriesling namens Kasnyik Orange Rizling aus Strekov in der Slowakei, die Flasche zu 45 Euro. „Neue deutsche Bioweine“ möchte Katya zusätzlich bald anbieten.

Fass- oder Flaschenbier?
Aktuell werden Pilsner Urquell und italienisches Peroni zu je 4 Euro (0,3 l) gereicht.

Konzept und Einrichtung?
Die sehr hohen Räume (4,70 Meter) sind dunkel gehalten, was die Kunstwerke besonders hervorhebt. Katya und Thomas möchten es noch mehr „Barock und Burlesque“ haben. Die beiden lieben es, ihre Gäste zu überraschen und zu inspirieren. „Sollten wir vielleicht eine Discokugel aufhängen?“ fragt Thomas seine Partnerin während des Interviews. Etwa 70 Gäste fasst die Kapelle drinnen, es gibt rund 30 bis 40 Sitzplätze. Und auf dem kleinen Platz draußen – Piazza genannt – können rund 30 Gäste sitzen. „Hier hat man ein Paris-Gefühl, es wirkt so kosmopolitisch“, schwärmt Katya von den Sommerpartys auf der Piazza.

Veranstaltungen?
Eine Silvesterparty mit glamourösen Showeinlagen ist gerade in Planung. Außerdem gibt es Privatveranstaltungen wie Hochzeiten, Geburtstagsfeiern, und natürlich werden hier häufig Werke aus verschiedensten Kunstbereichen vorgestellt.

Musik?
Wenn es gerade keine Livemusik gibt, läuft eine ganze Bandbreite von House bis Disco, Funk, Soul bis Jazz. Häufig laufen DJ-Mixe oder Radio NTS. Und gern laden die Inhaber befreundete DJs an die Plattenteller der Kapelle ein. Manchmal legen Katya und Thomas selbst auf. Tanzen ist ausdrücklich erwünscht.

Kundschaft?
Sehr unterschiedliche Gäste kommen hierher. Von sehr jung bis alt sei alles dabei, meint Thomas. Viele davon sind in der Kreativszene tätig. Die Kapelle versteht sich nicht als lokale Bar. Natürlich kommen Leuten aus der Nachbarschaft, doch fahren auch Gäste aus der ganzen Stadt wegen der besonderen Kunst-Ausrichtung der Bar zum Zionskirchplatz.

Zukunft?
Katya und Thomas formulieren es so: Ein florierendes Tagesgeschäft, Brunch am Wochenende, Champagner-Sonntage, eine neue Party mit Housemusik, Glühwein an der Feuerschale auf dem Bürgersteig und vieles mehr. Der Tagesbetrieb mit Mittagsangeboten ist ab Dezember 2023 geplant.

Geöffnet?
Mittwochs bis sonnabends von 19 Uhr bis 1 Uhr. Reservierungen bei Gruppen ab 10 Personen ratsam.

https://kapelle.berlin

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