Eine Oase des Friedens

„Dass Geflüchtete, die hier eine neue Perspektive bekommen haben, Obdachlose unterstützen, (…) ist nicht nur vorbildlich, sondern ein ganz starkes Zeichen!“ – Gesine Cukrowski, Schauspielerin. Foto: Uwe Ahrens

Ein jüdischer Chef, muslimische Mitarbeiter mit Fluchterfahrung aus vielen Nationen – und Räumlichkeiten der katholischen Gemeinde Sankt Bonifatius. Der „Kreuzberger Himmel“ in der Yorckstraße 89 vereint viele Gegensätze – ähnlich eines richtigen guten Menüs – und stellt damit genau das dar, was uns allen Hoffnung schenken sollte: Ein Mikrokosmos der Gesellschaft, in dem jeder Gast Teil eines größeren Ganzen wird und beim Genuss der schmackhaften syrischen Spezialitäten auch noch positive Botschaften serviert bekommt.

„Wir beweisen mit dem ‚Kreuzberger Himmel‘, dass es möglich ist, Brücken zu bauen – auch über den Esstisch hinweg“ – Andreas Tölke, Gründer von „Be An Angel e. V.“ Foto: Oliver Mark

Ein Duftmix aus Safran, Zimt, Koriander und Kurkuma liegt in der Luft. Klappernde Teller und ein kunterbuntes Stimmengewirr aus verschiedenen arabischen Dialekten erfüllen die Küche mit Leben, während im Restaurant zufriedene Gäste syrische Spezialitäten genießen. Klingt normal. Ist es aber nicht. Im „Kreuzberger Himmel“ in Berlin verschmelzen Grenzen, die eigentlich keine sein sollten: Im von der Flüchtlingsorganisation „Be An Angel e.V.“ gegründeten Restaurant werden die Gerichte ausschließlich von Menschen mit Fluchterfahrung zubereitet und serviert. Dabei ist dieser Ort auch ein lebendiges Beispiel dafür, wie Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Kulturen, Religionen und Hautfarben sowie gelebte Integration über alle Grenzen hinweg funktioniert. Head of von „Be an Angel e.V“ ist Andreas Tölke – ein jüdischer Berliner, der mit seinem Projekt eindrucksvoll beweist, dass Glaube keine Spaltung hervorrufen muss! Gerade jetzt, wo Verständnis füreinander gefragter ist, denn je, zeigt dieses besondere Restaurant, dass eine gemeinsame Mahlzeit mehr sein kann als nur gutes Essen – ein Akt der Gemeinschaft und des Widerstands gegen Spaltung und Hass. Nicht nur Liebe geht eben doch durch den Magen, sondern auch Verständigung. Und diese Eckpfeiler ziehen sich durch alle Bereiche des Betriebes: Während der Corona-Pandemie hat das Restaurant beispielsweise 73.000 Mahlzeiten für obdachlose Menschen in Berlin zubereitet und ausgeliefert.

Brücken bauen

„Jedes Mal, wenn ich das Restaurant betrete, spüre ich, wie die Hilfe ankommt. Wie das, was uns ausmacht, nämlich Menschlichkeit und Empathie, zurückstrahlt.“ – Barbara Becker, Foto: Uwe Ahrens

„Wir beweisen mit dem ‚Kreuzberger Himmel‘, dass es möglich ist, Brücken zu bauen – auch über den Esstisch hinweg“, erklärt Andreas Tölke, Gründer von „Be An Angel e.V.“. „Jedes Gericht, das wir servieren, und jede Begegnung, die hier stattfindet, trägt dazu bei, Vorurteile abzubauen und Verständnis zu fördern. In Zeiten wie diesen ist es umso wichtiger, solche Projekte zu unterstützen, die aktiv für Integration und ein friedvolles Miteinander, Völker- und Kulturverständigung stehen. Denn es dreht sich eben alles darum: gehört zu werden, verstanden zu werden und andere Ansichten und Meinungen zu akzeptieren.“ Das Restaurant wird regelmäßig von Gästen aus dem Bundespräsidialamt und verschiedenen Ministerien besucht, wie u. a. Cem Özdemir, Annalena Baerbock oder der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Prominente wie Barbara Becker, Gesine Cukrowski oder Culcha Candela setzen sich für den Verein „Be an Angel“ und somit auch für den „Kreuzberger Himmel“ ein.

Der Verein ist seit 2015 aktiv in Deutschland und setzt sich für die Integration von Menschen mit Fluchterfahrung ein, und begleitet diese ganzheitlich. „Das bedeutet für uns, dass wir zuerst versuchen, die gesamte Lebenssituation der Klienten zu verstehen, bevor wir entsprechende Maßnahmen ergreifen“, so Andreas Tölke weiter. 2021 erhielt er für sein Engagement übrigens das Bundesverdienstkreuz.

www.kreuzberger-himmel.de

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