Klares Zeichen für mehr Gestaltungskraft

Foto: Konstantin Gastmann

Unter dem Leitmotiv „Rethink Marketing“ eröffnete der Marketing Club Berlin das neue Marketingjahr mit einem inhaltlich starken Neujahrsempfang. Inmitten winterlicher Kulisse draußen und konzentrierter Diskussionen drinnen wurde eines deutlich: Wenn Marketing seine Gestaltungskraft behalten will, muss es sich selbst neu ernst nehmen – strategisch, strukturell und ökonomisch.

Der Abend stand ganz im Zeichen einer zentralen Fragestellung: Warum verliert Marketing trotz wachsender Relevanz an Einfluss in Unternehmen? Ein prägendes Learning brachte Stefanie Kuhnhen auf den Punkt: Marketing sitzt zu selten im Driver’s Seat. Statt aktiv zu gestalten, lässt es sich zu häufig von kurzfristigen KPIs, Trends und rein finanzgetriebenen Logiken leiten. Dieser sogenannte Normalitäts-Bias koste Marketing systematisch Einfluss – bis hin zum Platz am Entscheidungstisch. Einen besonderen Aha-Moment lieferte Prof. Dr. Peter Kenning mit einem Blick ins Handelsgesetzbuch. Nach § 248 Abs. 2 Satz 2 HGB dürfen selbst geschaffene Marken nicht als Vermögenswerte aktiviert werden. Die Folge: Markenarbeit schafft realen unternehmerischen Wert, taucht bilanziell jedoch lediglich als Aufwand auf. Ein entscheidender Unterschied zur IFRS-Bilanzierung, bei der Marken als Assets ausgewiesen werden können – bei gleicher Leistung, aber völlig anderer Wahrnehmung im Top-Management. Die Konsequenz daraus ist eindeutig: Solange Marketing die Sprache der Bilanzen nicht spricht, bleibt sein Beitrag unsichtbar. Oder, wie Birgit Berthold-Kremser es formulierte: „Wer am Entscheidungstisch sitzen will, muss die Sprache sprechen, die dort verstanden wird.“

Myriam Sztayn, Präsidentin des Marketing Club Berlin, unterstreicht den Anspruch des Clubs: „Marketing darf sich nicht länger auf Kommunikation reduzieren lassen. Es ist eine unternehmerische Gestaltungsdisziplin. Unser Neujahrsempfang war ein bewusstes Signal: Wir brauchen mehr Haltung, mehr ökonomisches Verständnis und mehr Mut, Verantwortung zu übernehmen – dann wird Marketing wieder zur echten Führungskraft im Unternehmen.“ Besonders prägend waren zudem die Speaker*innen des Abends, die mit ihrer Expertise, Erfahrung und klaren Impulsen maßgeblich zum Erfolg der Veranstaltung beitrugen.

Von Christan Achmann

www.marketingclubberlin.de

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