Open-Air-Spektakel

Foto: Mercedes-Benz Group AG

zwischen High-Tech-Hybrid und klassischem V12-Sound

Mit den ersten warmen Frühlingstagen erwacht nicht nur das Leben in Parks und Straßencafés. Auch Cabriofahrer holen ihre Fahrzeuge aus den Garagen, öffnen das Verdeck und starten in die neue Saison. Denn kaum eine andere Art des Autofahrens verbindet so unmittelbar Freiheit, Stil und Fahrgenuss wie das Cabrio.

Allerdings sind sowohl die Zulassungszahlen als auch die Modellvielfalt bei Cabriolets in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Dennoch finden sich weiterhin einige faszinierende Modelle auf dem Markt – spannende Neuheiten ebenso wie echte Klassiker. Moderne Cabriolets sind heute meist deutlich exklusiver, leistungsstärker und technisch aufwändiger als früher. Viele aktuelle Luxus-Cabrios verbinden Supersportwagen-Performance mit Hybridtechnik oder sogar vollelektrischen Antrieben und handgefertigtem Luxus. Vom elektrischen Roadster bis zum millionenschweren Hyper-Barchetta reicht die Spannweite.

Deutscher Kraftprotz – Mercedes-AMG Cabrio

Für Enthusiasten, die keine Kompromisse eingehen wollen, markiert der AMG SL die Spitze des Portfolios. Mit einer Systemleistung von 816 PS ist der SL 63 S E Performance der stärkste SL aller Zeiten. Mercedes kombiniert den AMG 4,0-Liter-V8-Biturbomotor mit einer elektrischen Antriebseinheit an der Hinterachse. Beeindruckend sind auch die weiteren Leistungsdaten: Bis zu 1.420 Nm Drehmoment, von 0 auf 100 in 2,9 Sekunden und bis zu 317 km/h Spitze. Das dreilagige Akustik-Stoffverdeck benötigt 15 Sekunden, um sich zu öffnen oder zu schließen – auch während der Fahrt bis 60 km/h. Für sportliche Fahrer ist das AMG Track Pack besonders interessant. Dieser serienmäßige „virtuelle Renningenieur“ ist in das Infotainment integriert und zeichnet über 80 fahrzeugspezifische Daten auf. Ab 223 720 Euro ist die stärkste SL-Variante zu haben.

Der Klassiker

Der Porsche 911 ist eine Ikone – als Targa gibt es ihn bereits seit Mitte der 60er Jahre, als vollwertiges Cabrio kam der 911 schließlich 1983 auf den Markt. Die aktuelle achte Generation verbindet klassische Sportwagen-DNA mit moderner Technik. Den Klassiker gibt es gleich in mehreren Varianten. Im ab 150 000 Euro teuren Basismodell leistet der 3,0-Liter-Biturbo-Boxermotor 394 PS. Wer es puristischer mag, greift zum leicht teureren 911 Carrera T Cabriolet. Als „Touring“-Variante verzichtet es auf unnötigen Ballast und ist als einziges Modell noch mit einem manuellen 6-Gang-Schaltgetriebe erhältlich. Noch mehr Leistung, aber auch knapp 30 000 Euro teurer ist das 911 Carrera GTS Cabriolet, welches einen 3,6-Liter-Motor mit Elektro-Power kombiniert und eine Systemleistung von 541 PS abliefert. Dieses Modell gibt es sowohl mit Heckantrieb als auch als Carrera 4 GTS mit Allradantrieb. Die Speerspitze bildet das 711 PS starke 911 Turbo S Cabriolet. In nur 2,5 Sekunden sprintet das Kraftpaket von 0 auf 100 Stundenkilometer, erst bei 330 km/h ist Schluss. So viel Kraft hat seinen Preis. Ab 285 200 Euro ist der Turbo erhältlich. Nicht nur bei den Beschleunigungswerten ist Porsche top – das Stoffverdeck schließt bei der Fahrt bis 50 km/h in nur zwölf Sekunden. Damit gehört der 911er zu den schnellsten Stoff-Cabrios auf dem Markt.

Foto: Porsche

Italienische Extreme – Ferrari 849 Testarossa

Wer sportliche Höchstleistung sucht, wird vor allem in Italien fündig. Im vergangenen Herbst wurde der als Plug-in-Hybrid-Supersportwagen konzipierte Ferrari 849 als Nachfolger des SF90 Stradale vorgestellt. Für den Supersportwagen holte man einen glanzvollen Namen aus der Historie zurück – Testarossa. Während das Coupé ab Anfang 2026 ausgeliefert wird, müssen sich Cabrio-Fans bis in die zweite Jahreshälfte gedulden. Ab dann ist auch der Spider verfügbar. Preislich dürfte der offene Testarossa bei um die 500 000 Euro liegen. Dafür protzt der italienische Supersportwagen mit beeindruckenden Leistungsdaten. Das Herzstück ist eine Weiterentwicklung des V8-Biturbos, der im Zusammenspiel mit drei Elektromotoren eine brachiale Systemleistung von 1.050 PS auf alle vier Räder loslässt. Der Testarossa Spider sprintet in etwa 2,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h, danach geht es bis 330 km/h weiter.

Foto: Ferrari

Klassischer V12Genuss – Ferrari 12Cilindri Spider

Während Ferrari beim neuen 849 Testarossa Spider einen der klangvollsten Namen der 80er-Jahre wiederbelebt, um die technologische Speerspitze der Hybrid-Ära zu markieren, schlägt der 12Cilindri Spider eine andere, fast nostalgische Brücke. Optisch ist er eine unverblümte Liebeserklärung an den legendären Ferrari 365 GTB/4 Daytona aus den späten 60ern. Der Ferrari 12Cilindri Spider ist die ultimative Hommage an den legendären, frei saugenden V12-Motor. Und das ohne Hybridspielereien. Mit gewaltigen 830 PS aus 6,5 Litern Hubraum katapultiert dieser Motor das Cabrio in nur 2,95 Sekunden auf 100 km/h – begleitet von einem orchestralen Sound, der Gänsehaut garantiert. Erst jenseits der 340 km/h endet der Vorwärtsdrang. Mit dem Design ist Ferrari eine passende Hommage an legendäre Sportwagenzeiten gelungen. Klassische Gran-Turismo-Proportionen treffen auf ein futuristisches Cockpit mit drei Displays, das sogar dem Beifahrer ein eigenes 8,8-Zoll-Fahrerlebnis bietet. Das elegante Hardtop öffnet sich in nur 14 Sekunden und lässt die Welt direkt ins Cockpit. Je nach Individualisierung bewegt sich der Preis um die 550.000 Euro.

Extremsport im offenen Format – Lamborghini Revuelto Roadster

Gerade einmal 35 Kilometer liegen zwischen dem Ferrari-Werk in Maranello und Sant’Agata Bolognese, der Heimat von Lamborghini. Rund 40 Minuten dauert die Fahrt über die Landstraßen der Emilia-Romagna – im neuen Lamborghini Revuelto Roadster dürfte sich diese Zeit gefühlt halbieren. Als erster „HPEV“ (High Performance Electrified Vehicle) der Marke leitet er eine neue Ära ein: Der legendäre 6,5-Liter-V12-Sauger verschmilzt hier mit drei Elektromotoren zu einer markerschütternden Systemleistung von 1 015 PS. In nur 2,5 Sekunden bricht der Allrad-Bolide die 100-km/h-Marke, während das neue 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe die Gänge in Millisekunden sortiert. Erst jenseits der 350 km/h endet der Vorwärtsdrang. Doch Lamborghini liefert mehr als nur Speed. Das Interieur gleicht einem Kampfjet-Cockpit: Drei Displays – inklusive eines eigenen schmalen Bildschirms für den Beifahrer – halten die Crew über alle fahrdynamischen Daten auf dem Laufenden. Besonderes Highlight für Ästheten ist das abnehmbare Hardtop aus hochfestem Carbon, das mit wenigen Handgriffen verstaut werden kann. Dank des vollelektrischen „Città“-Modus kann der Stier zudem völlig lautlos durch die Stadt gleiten – ein faszinierender Kontrast zum gewaltigen Crescendo bei offener Fahrt auf der Autobahn. Rund 650 000 Euro kostet so viel Exklusivität.

Der Lamborghini Temerario Spyder, der Nachfolger des legendären Huracán, ist so etwas wie der kleine Bruder des Revuelto. Allerdings wäre das mehr als nur Understatement. Mit einer Systemleistung von 920 PS spielt der offene Temerario in einer Liga, die vor wenigen Jahren noch Hypercars vorbehalten war. Das technologische Meisterstück verbirgt sich unter der Motorhaube: Ein neu entwickelter 4,0-Liter-V8-Biturbo, der als erster Serien-Turbomotor der Welt bis zu 10.000 Umdrehungen pro Minute erreicht. Unterstützt wird er von drei Elektromotoren, die das gefürchtete Turboloch nicht nur füllen, sondern in ein eruptives Beschleunigungserlebnis verwandeln. In nur 2,7 Sekunden sprintet der Spyder auf 100 km/h. Mit 343 Stundenkilometer Spitzengeschwindigkeit ist der „Kleine“ nur minimal langsamer als der Revuelto. Mit einem Einstiegspreis von 300 000 Euro liegt der Temerario dagegen deutlich darunter.

Die elegante Alternative – Maserati GranCabrio Folgore & MCPura Cielo

Wem das martialische Auftreten des Lamborghinis zu extrovertiert ist, der findet nur wenige Kilometer weiter in Modena die Antwort in Form von fließender Eleganz. Maserati versteht es wie kaum eine andere Marke, den „Dolce Vita“-Spirit in Blech – oder im Falle des neuen GranCabrio Folgore – in lautlose Energie zu gießen. Der Folgore, italienisch für Blitz, ist das erste vollelektrische Luxus-Cabriolet. Statt Motorengebrüll liefert er die Kraft der drei Elektromotoren, die zusammen atemberaubende 761 PS, im Max-Boost-Modus kurzzeitig sogar bis zu 829 PS auf den Asphalt bringen. In gerade einmal 2,8 Sekunden schießt der Viersitzer auf 100 km/h. Und das völlig emissionsfrei und nur vom sanften Rauschen des Windes begleitet. Preislich startet der Folgore ab etwa 210 000 Euro. Für diejenigen, die zwar das elegante Design schätzen, aber auf den emotionalen Verbrenner-Klang nicht verzichten wollen, hält Maserati den frisch aktualisierten MCPura Cielo bereit. Der Nachfolger des MC20 Cielo ist ein technisches Kunststück: Sein Herzstück ist der „Nettuno“-V6-Motor mit 630 PS, der Formel-1-Technologie auf die Straße bringt. Dazu kommen 730 Nm Drehmoment. In nur 3,0 Sekunden schnellt der Supersportler auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei stolzen 323 km/h. Doch das eigentliche Highlight ist das namensgebende „Cielo“-Dach (italienisch für Himmel). Das elektrochrome Glasdach lässt sich auf Knopfdruck von transparent auf blickdicht schalten – ein magischer Effekt, der selbst bei geschlossenem Verdeck für ein helles, offenes Raumgefühl sorgt. Ein weiterer Hingucker sind die spektakulären Schmetterlingstüren. Mit einem Einstiegspreis von rund 280.000 € bietet er die perfekte Balance zwischen hochmodernem Leichtbau und klassischem italienischem Design-Pathos.

Der Gentleman-Express – Aston Martin DB12 Volante

Während die italienischen Nachbarn auf maximale Extravaganz und pure Fahrleistungen setzen, pflegt man auf der Insel eine andere Form der Performance: das souveräne Understatement. Der Aston Martin DB12 Volante ist die offene Interpretation dessen, was die Briten einen „Super Tourer“ nennen – ein Fahrzeug, das die Grenzen zwischen luxuriösem Reisebegleiter und rasantem Sportwagen auflöst. Unter der Motorhaube arbeitet ein handgefertigter 4,0-Liter-V8-Biturbo, der mit 680 PS und einem gewaltigen Drehmoment von 800 Nm für einen standesgemäßen Vortrieb sorgt. In nur 3,7 Sekunden erreicht der Volante die 100-km/h-Marke. Erst bei 325 km/h endet die Beschleunigung. Die Kraftentfaltung ist dank des neu abgestimmten 8-Gang-Automatikgetriebes von ZF ebenso druckvoll wie kultiviert. Ein technisches Highlight ist das „K-Fold“-Verdeck. In nur 14 Sekunden verschwindet die achtschichtige Stoffmütze im Heck und gibt den Blick frei auf ein Interieur, das zu den schönsten der Automobilwelt zählt. Feinste Lederhäute, handgenähte Kontrastnähte und das erste komplett hauseigene Infotainment-System von Aston Martin machen jede Fahrt zu einem haptischen und visuellen Genuss.

Foto: Aston Martin

Besonders für die Saison 2026 ist die „Goldfinger Edition“ für Sammler interessant, die mit Details in 18-karätigem Gold und exklusiven Design-Zitaten an den wohl berühmtesten Dienstwagen der Filmgeschichte erinnert. Mit einem Einstiegspreis von rund 255.000 € ist der DB12 Volante die perfekte Wahl für jene, die Leistung suchen, aber Stil bevorzugen.

Der Gipfel des Grand Touring – Bentley Continental GTC Speed

Wenn der Aston Martin der elegante Gentleman ist, dann ist der Bentley Continental GTC Speed der Aristokrat der Runde. In der vierten Generation hat Bentley ein neues Kapitel aufgeschlagen: Der berühmte W12-Motor ist Geschichte – es lebe der Hybrid. Doch keine Sorge um die Leistung, denn der neue V8-Plug-in-Hybrid ist der stärkste Antrieb, den Bentley je in Serie gebaut hat. Das Zusammenspiel aus einem 4,0-Liter-V8 und einem kraftvollen Elektromotor entfesselt brachiale 782 PS und ein Drehmoment von 1.000 Nm. Diese gewaltige Kraft sorgt dafür, dass die knapp 2,5 Tonnen nur 3,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h benötigen. Die Höchstgeschwindigkeit des Cabrios liegt bei elektronisch abgeregelten 285 km/h.

Foto: Mark Fagelson Photography

Doch ein Bentley wird nicht nur über Speed definiert, sondern über das Erlebnis. Dank einer rein elektrischen Reichweite von bis zu 80 Kilometern kann man lautlos durch die Innenstadt gleiten, bevor der V8 mit einem tiefen Grollen übernimmt. Im Interieur erwartet die Passagiere das gewohnte Höchstmaß an Handwerkskunst: Das berühmte „Rotating Display“, das auf Knopfdruck zwischen Touchscreen, Analoganzeigen oder edlem Furnier wechselt, bleibt das Highlight im Cockpit. Wer dieses „Wohnzimmer auf Rädern“ sein Eigen nennen möchte, sollte mit einem Einstiegspreis von rund 350.000 € planen – Exklusivität und das Gefühl, über den Dingen zu schweben, inklusive.

Trotz rückläufiger Modellvielfalt bleibt die Welt der Cabrios faszinierend. Zwischen elektrischer Zukunft, Hybrid-Hightech und klassischen Hochleistungsmotoren zeigt sich, dass offenes Fahren keineswegs aus der Zeit gefallen ist. Im Gegenteil: Die verbleibenden Modelle sind exklusiver, leistungsstärker und luxuriöser denn je. Wer heute ein Cabrio fährt, entscheidet sich nicht nur für ein Auto – sondern für ein Statement aus Stil, Freiheit und purem Fahrgenuss.

Secured By miniOrange