Augen zu und durch? Etwas auf die lange Bank schieben? Oder den Kopf in den Sand stecken? Wenn es um die eigene Gesundheit geht, kann die Vogel-Strauß-Mentalität gefährlich sein. Denn durch Früherkennung können viele Krankheiten erfolgreicher behandelt oder gar verhindert werden.
Gemäß dem Robert Koch Institut (RKI) ist die Vorsorge in drei Kernbereiche unterteilt: die Primärprävention beinhaltet alles zu tun, um Risikofaktoren zu senken. Dazu gehören gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung, Stressbewältigung und Impfungen. Die Sekundärprävention Früherkennung und Vorsorgeuntersuchungen, um Krankheiten in einem möglichst frühen, heilbaren Stadium zu entdecken und zu behandeln und die Tertiärprävention: das sind Behandlungsmaßnahmen, die bei chronischen Erkrankungen Folgeschäden, Verschlechterungen oder Rückfälle verhindern sollen. „Ein modernes Gesundheitssystem sollte nicht erst dann reagieren, wenn Krankheiten bereits Beschwerden verursachen. Vorsorgeuntersuchungen helfen dabei, Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und gezielt zu behandeln, oft lange bevor schwerwiegende Folgen entstehen“, erklärt Daniela Teichert, Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost. „Gerade bei Krebs zeigt sich, wie wertvoll Früherkennung sein kann. Viele Tumorerkrankungen lassen sich in einem frühen Stadium deutlich besser behandeln. Darmkrebs kann durch konsequente Vorsorge sogar verhindert werden. Bei einer Darmspiegelung können Vorstufen erkannt und direkt entfernt werden.“ Die gute Nachricht ist: Immer mehr Menschen nutzen Vorsorgeangebote. Eine gemeinsame Analyse der AOK Nordost und der Krebsgesellschaft Berlin zeigte zuletzt deutliche Zuwächse. Besonders stark stieg die Teilnahme bei der Darmkrebsvorsorge und beim Mammographie-Screening. Auch die Prostatakrebsvorsorge wurde häufiger genutzt. Bei der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs liegen die Zahlen noch unter dem Niveau vor der Corona-Pandemie. Viele Menschen würden Vorsorgetermine im Alltag vor sich herschieben oder nähmen sie erst wahr, wenn Beschwerden auftreten. Das ist besonders vor dem Hintergrund wichtig, dass vor allem chronische Erkrankungen weiter zunehmen – unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Krebs. Auch psychische Belastungen haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Viele Menschen fühlen sich im Alltag dauerhaft unter Druck. Das kann sich langfristig negativ auf die körperliche und seelische Gesundheit auswirken.
Welche für wen?
Welche Vorsorgeuntersuchungen besonders wichtig sind, lässt sich nicht pauschal beantworten – denn Vorsorge hängt immer auch vom Alter, Geschlecht, Lebensstil und familiären Risiken ab. „Wichtig ist vor allem, die empfohlenen Untersuchungen regelmäßig wahrzunehmen. Dazu gehören z. B. Krebsfrüherkennungs-Untersuchungen, Hautkrebs-Screenings oder Check-ups zur Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Wichtig zu wissen: Auch Männer können an Brustkrebs erkranken und sollten sich deswegen regelmäßig untersuchen lassen bzw. einen Verdachtsfall abklären lassen. Eine gute Orientierung bietet z. B. der Vorsorg-O-Mat der AOK oder Programme anderer Krankenkassen wie der TK-Vorsorge-Planer der Techniker Krankenkasse oder der Vorsorge-Rechner der DAK. Mit wenigen Klicks erhalten Versicherte eine individuelle Übersicht darüber, welche Vorsorgeuntersuchungen in ihrer jeweiligen Lebensphase sinnvoll sind.
Viele gehören zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung und sind damit für Versicherte kostenfrei. Daneben gibt es sogenannte IGeL-Leistungen, also zusätzliche Untersuchungen oder Behandlungen, die nicht zum regulären Leistungskatalog gehören. Dazu zählen u. a. bestimmte Ultraschalluntersuchungen oder zusätzliche Labortests. Deshalb sollte man sich beim Haus- oder Facharzt beraten lassen. Der IGeL-Monitor bewertet, welche Leistungen sinnvoll sind und welche eher kritisch gesehen werden. Infos hierzu gibt es unter www.igel-monitor.de.
Änderungen durch Reform
Die neue Gesundheitsreform sieht allerdings zurzeit (Stand Anfang Juni 26) vor, dass Leistungen wie u. a. Check-ups entfallen bzw. selbst bezahlt werden sollen. So haben bislang Versicherte ab 35 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf eine Früherkennungsuntersuchung auf Hautkrebs. Der Berufsverband der Deutschen Dermatologen warnt davor, das Screening als Kassenleistung einzusparen, denn dadurch könnten viele Formen von Hautkrebs früher erkannt und damit besser geheilt werden. Eine neue Leistung gibt es seit April: Starke Raucher*innen haben nun Anspruch auf ein jährliches Lungenscreening. Das Ziel: Lungenkrebs früh zu entdecken und Überlebenschancen zu erhöhen. Ein wichtiges Thema bei der Prävention ist auch Alzheimer. Über ein Drittel aller weltweiten Demenzerkrankungen wären durch eine Änderung von nur neun Lebensstilfaktoren vermeidbar – so die Assmann-Stiftung für Prävention. Einige Ansatzpunkte, etwa wie Bluthochdruck und Rauchen, durchziehen nahezu alle Lebensphasen, andere hingegen rücken in bestimmten Lebensphasen in den Vordergrund.
Gesunder Lebensstil
Neben der frühzeitigen und konsequenten Inanspruchnahme der angebotenen Früherkennungsprogramme trägt natürlich vor allem ein gesunder Lebensstil maßgeblich zur Gesunderhaltung bei. Dazu gehört eine ausgewogene und ballaststoffreiche Ernährung sein: Bei einer täglichen Aufnahme von mehr als 35 g Ballaststoffen lässt sich das allgemeine Risiko für eine (erneute) Brustkrebserkrankung reduzieren. Außerdem wichtig: ausreichend Bewegung, Stressreduktion, genügend Schlaf und der Verzicht auf Risikofaktoren wie Rauchen und Alkohol. Wer zusätzlich auf Körpersignale achtet und bei Veränderungen frühzeitig ärztlichen Rat einholt, kann seine Gesundheit nachhaltig schützen und die Lebensqualität langfris-
tig verbessern. „Gesundheit ist nichts, worum man sich erst kümmert, wenn etwas nicht mehr funktioniert. Vorsorge bedeutet, sich selbst wichtig zu nehmen – und zwar rechtzeitig“, sagt Daniela Teichert. Viele Menschen würden selbstverständlich in ihre Karriere, ihre Familie oder ihre Zukunft investieren. „Die eigene Gesundheit sollte denselben Stellenwert haben. Dabei geht es nicht um Perfektion oder Selbstoptimierung. Niemand muss plötzlich Marathon laufen oder komplett auf Genuss verzichten. Oft machen schon kleine, konsequente Veränderungen einen großen Unterschied. Wichtig ist vor allem, die eigenen Warnsignale ernst zu nehmen und Vorsorge nicht immer wieder aufzuschieben. Vorsorge beginnt damit, sich Zeit für sich selbst zu nehmen.“

Vorsorge Frauen
Ab 20: jährliche Gynäkologische Untersuchung, Pap-Abstrich (Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung) und Chlamydien-Screening (bis 25 Jahre)
Ab 30: jährliches Abtasten der Brust und Achselhöhlen
Ab 35: Kombi-Test aus Pap-Abstrich und HPV-Test (alle drei Jahre), Gesundheits-Check-up beim Hausarzt Blutdruck, Diabetes, Nierenwerte (alle drei Jahre), Hautkrebs-Screening (alle 2 Jahre)
Ab 50: Mammographie-Screening zur Brustkrebs-Erkennung (alle 2 Jahre)
Ab 50/55: Darmkrebs-Früherkennung (Stuhltest oder Darmspiegelung)
Vorsorge Männer
18 bis 34: einmaliger Check-up beim Hausarzt
Ab 35: Gesundheitsuntersuchung Blutdruck, Cholesterin, Blutzucker (alle drei Jahre) Hautkrebs-Screening beim Hausarzt oder Hautarzt (alle zwei Jahre), einmaliges Hepatitis-Screening (Hepatitis B und C)
Ab 40: Empfehlung Augen-Check
Ab 45: Prostatakrebs-Vorsorge (jährlich)
Ab 50/55: Darmkrebs-Vorsorge: jährlicher Stuhltestoder Koloskopie (Darmspiegelung)
Ab 65: Ultraschall-Screening: einmalige Untersuchung auf Bauchaortenaneurysmen
Zusätzlich für alle: regelmäßige Zahnvorsorgeuntersuchungen und professionelle Reinigung (alle 6 Monate)