Geburtstag einer Kulturmarke

Die ehemalige Garage und Schmiede ist heute eine Museum

Die Kulturbrauerei feiert in diesem Jahr ihr 35. Gründungs-Jubiläum – das 25.000 Quadratmeter große Bau-Ensemble an der Schönhauser Allee gehört zu den wenigen gut erhaltenen Industrie-Architekturdenkmälern in Berlin.

Angefangen hat alles schon Mitte des 19. Jahrhunderts. Damals fuhren die Berliner mit der Pferdekutsche gerne ins Grüne, vorbei an Kartoffel- und Getreidefeldern, immer steil bergan auf den Prenzlauer Berg. Hier betrieb Jobst Schultheiss einen kleinen Bierausschank, sein Erfolgsrezept war das untergärige Bier. Der Name bleibt, als aus dem Kleinbetrieb eine Großbrauerei erwächst. Nach Plänen des Architekten Franz Heinrich Schwechten wurde sie ab 1878 aus- und umgebaut, und es entstand ein beeindruckendes Ensemble, das eher an eine mittelalterliche Burg als einen Industriebetrieb erinnert. Die Anlage überstand den 2.Weltkrieg relativ unbeschadet, zu DDR-Zeiten wurde nur bis 1967 gebraut und dann einige Gebäude als Möbellager genutzt. Nach der Wende 1989 und mehreren gescheiterten Privatisierungsversuchen stellte die Treuhand Liegenschaftsgesellschaft 100 Millionen D-Mark für die Sanierung zur Verfügung. Viele Künstler konnten sich hier einen attraktiven Auftrittsort schaffen und es entstand in kurzer Zeit ein innovativer Mix aus kreativen Dienstleistern und vielfältigen Kulturangeboten.

Der ehemalige Flaschenkühlraum der Kulturbrauerei beherbergt heute das Palais, eine angesagte Event-Lokation. Fotos: Ronald Keusch

Die Kulturbrauerei ist heute ein Ort von Begegnungen in Clubs, im Kino, bei Konzerten, in Theater-, Tanz- und Musikschulen und bei zahlreichen Events. Die Zahl von 2.000 Veranstaltungen mit bis zu 2 Millionen Besuchern pro Jahr spricht für sich. Zwei der Leuchttürme sind zweifellos das ehemalige Kesselhaus und das Maschinenhaus. Allein im Kesselhaus laufen 400 bis 450 Produktionen im Jahr. Die einstige Tischlerei der Brauerei wurde zum „Haus für Poesie“, in der ehemaligen Garage zeichnet ein Museum den „Alltag in der DDR“ nach, und Fahrräder mit dem Logo „Berlin on Bike“ weisen auf einen Fahrradverleih hin, der wöchentlich über 50 geführte Radtouren anbietet. Von den insgesamt 40 Mietern nimmt der Frannz-Club einen herausragenden Platz ein. Einst Restaurant der Schultheiss-Brauerei und später legendärer DDR-Jugendklub, ist er heute ein angesagter Treffpunkt mit Livemusik, Partys, Lesungen und Tanzkursen. Hier wird natürlich auch Bier ausgeschenkt – nein, nicht Schultheiss, sondern Craft-Biere der kleinen Friedrichshainer Hausbrauerei Hops&Barley.

www.kulturbrauerei.de

Secured By miniOrange